Werkbetrachtung
Mit einer eigenen Werkbetrachtung möchte ich meine Intention für die Herstellung meiner Arbeiten deutlich machen.
Meine Werkabsicht
Als „Roten Faden“ meiner gestalterischen Arbeit sehe ich das Geschichtenerzählen. Nicht Bildergeschichten, sondern Geschichten im Bild. Inhalte zu verdichten und Brücken zum Unbewussten zu schlagen ist meine Intention. Mit klaren Farben und Konturen möchte ich meine Sichtweise auf Zustände vermitteln, um Gespräche anzustoßen und den Betrachtern zu Überlegungen anzuregen, die über aktuelle Horizonte führen.
Ich verstehe mich auch als Chronist, der die eigene Zeitqualität, in der die Vorzeichnungen entstanden, darstellt.
Die formale Absicht bei meinen Bildern ist es, den „Arbeitsweg“ zu verkürzen und den aktuellen Sehgewohnheiten entgegen zu kommen. Dabei soll es eine Mischung aus „Aha-Erlebnissen“ und rätselhaften Bereichen im Bild geben. Das schnelle Erkennen von Inhalten über attraktive Farben und Formen ist quasi ein Haken, der den Betrachter ins Bild zieht und ihn möglichst lange festhält. So soll Neugier auf kryptische Bildbereiche erzeugt und das Ziel der Resonanz mit Künstler – Werk – Betrachter erreicht werden.
Farbe und Form sind bei meinen Bildern, im übertragenden Sinne, ein Anker, der „ein Schiff auf hoher See Sicherheit und Zeit gibt, den Kurs neu zu bestimmen, um seinen Weg fortzusetzen“. Meine unsichtbaren Gedanken und Gefühle der Vergangenheit sind in Farben und Formen verwoben, um dargestellte Frequenzen mit dem gegenwärtigen Betrachter in Übereinstimmung (Resonanz) zu bringen und Inhalte in zukünftiges Denken, Fühlen und Handeln zu verwandeln. Das intuitive Vorgehen ist mir dabei wichtig, da nur so der Zugang zu komplexen Inhalten möglich wird. Dabei sind die Frequenzen von Farbe und Form die Transportmittel für Inhalte, die der Betrachter erkennen und erspüren soll. Innen und Außen verschmelzen – das Potential für Neues ist gegeben. Dieser erhöhte Energielevel kann es dem einfühlsamen Besucher möglich machen, meine Absichten mit den Seinen in eine Auseinandersetzung zu bringen. Dieser Weg ist das eigentliche Ziel: Der Prozess komplexe Zustände in neue, konstruktive Diskussionen und Handlungsabsichten zu überführen wäre in Gang gesetzt und meine Absicht erfüllt – das Werk hätte seine Daseinsberechtigung...
Wilfried Adelmann
Hellwege
12. Februar 2024
Bildbetrachtungen
Mit der eigenen Bildbetrachtung eines Werkes möchte ich meine Sichtweise auf die Welt durch ein Gemälde deutlich machen und zur Diskussion anregen.
Modell Z
Bildbetrachtung
Eigene
Künstler: Wilfried Adelmann
Titel: Modell Z
Format: 60 x 80cm, mit Schattenfugenrahmen 65x85cm
Material: Acryl auf Leinwand
Entstehung: 27.11.2021 (Vorzeichnung), 2022 Fertigstellung
Modell Z
Das Z im Titel des Bildes steht für Zwiebel und bezeichnet die Hauptform im Zentrum des Gemäldes. Es leitet sich von der soziologischen Darstellung der Gesellschaft in Pyramidenform ab, in der Entscheidungsträger (z.B. der Adel) an der Spitze und Entscheidungsempfänger (z.B. Bauernschaft) an der Basis einer Pyramide zu finden sind. Die Form ist in autokratischen Systemen zu finden, in denen der Herrscher bestimmt, wo es lang gehen soll.
In demokratischen Gesellschaftsordnungen hat sich die Mitte der Pyramide zu einem vergrößerten Bauch ausgebildet (Mittelstand). Die Basis ist geschrumpft, so dass die Ebene der ohnmächtigen Entscheidungsempfänger sehr viel kleiner geworden ist. Die Spitze der Zwiebel ist, ähnlich wie im Pyramidenmodell, klein und schmal.
Kommt es in Demokratien zu starken Ungleichgewichten in der Herrschaftsstruktur bzw. zu wirtschaftlicher Verelendung und wird die Gewaltenteilung bedroht, so kann es wieder in Richtung Autokratie gehen. Der Mittelstand wird schwächer und die Basis der „Rechtlosen“ vergrößert sich. Nicht mit Wahlen, sondern nur mit Umstürzen, die meist blutig werden, ist eine neue Regierung abzulösen…
In meinem Bild ist die Darstellung der soziologischen Gesellschaftsform durch die Bewusstseinsverteilung in der Bevölkerung ersetzt worden.
In erster Linie ist es ein Durchlaufen von Lern- und Erfahrungszuständen, die ein Wesen leisten muss, um sich durch Spannungsabbau in den spannungslosen Zustand einer nichtmateriellen Welt hinein zu entwickeln. Dazu bedarf es sicherlich mehr als nur ein Leben und so halte ich die Wiedergeburt als wahrscheinliches System der Bewusstseinsentwicklung. Durch das Lernen und Erfahren an Spannungszuständen entwickelt sich ein immer komplexeres Sein. Dies ist zu differenzierterem Reflektieren in der Lage und Handlungen werden im Konfliktfall nicht nach egoistischen Motiven begangen. Es findet vielmehr in kooperativen Lösungen eine Spannungsmilderung statt, die dann auch nachhaltiger ist und zu neuen Entwicklungen führen kann. Es ist jedoch auch immer die Verstärkung von asozialem Verhalten möglich, was über kurz oder lang zur Auflösung von differenziertem Bewusstsein führt. Krieg, Umweltzerstörung, Verelendung, Folter und Tod sind die Kennzeichen einer sich auflösenden Zivilisationsstruktur, die das Gemeinwohl nicht mehr an die erste Stelle setzt. Die Stammesgesellschaft wird sich wieder als Organisationsstruktur herausbilden und das Ego, die nähere Familie, der Clan sind die bestimmenden Richtlinien des Handelns.
Der Evolution ist es sicherlich egal wie oft eine Bewusstseinsentwicklung neu starten muss und mit wem. Vielleicht hat ein Beuteltier oder ein Pilz ja mehr Chancen als die Menschheit eine komplexere Bewusstseinsstruktur zu entwickeln…
An der roten Basis der Zwiebel treten archaische Bewusstseinszustände in die materielle Welt ein - existentielle Probleme wie Essen, Trinken, Witterung und Fortpflanzung müssen gelöst werden. Der Schutz der Errungenschaften aus dieser Ebene vor anderen Mitbewerbern um die lokale Herrschaft, sowie der Minderung von existenzbedrohenden Naturkatastrophen entwickelt sich hier. Die Grundsätze der Ritterlichkeit (die Schwachen zu schützen) können sich jedoch zu expansiven Bestrebungen entwickel, die das Leiden der Individuen durch militärische Handlungen (Expansionskriege) stark vergrößert. Gelingt durch kooperatives Handeln ein kollektives, friedliches Miteinander, so kann ein Übertritt in eine komplexere Gesellschaft mit einem ebensolchen Bewusstsein stattfinden.
In der nächsten, orangenen Ebene entsteht technischer Fortschritt, Gewaltenteilung und wirtschaftliche Effizienz. Demokratische Systeme können sich entwickeln. Die Ausbeutung der Natur kann jedoch zu Mangel und Zerstörung führen, was wiederum zur Auflösung der Demokratie und letztendlich zu einem Absinken in die vorherige Ebene führt. Ist ein Handeln im weitgehenden Einklang mit der Natur jedoch erreicht, so ist eine Bewusstseinsstufe möglich, die kulturelle Handlungen in den Vordergrund stellt. Das Lernen durch Erfahrungen ist nun über Ersatzfunktionen möglich und das Leiden muss nicht mehr direkt erfahren werden (z.B. Theater). Globale Verknüpfungen entstehen und ein Weltbewusstsein kann sich entwickeln.
In der folgenden Bewusstseinsstufe entwickelt sich das Mitgefühl mit allen Formen der Existenz als vorherrschende Handlungsfähigkeit. Die Achtung alles Seienden führt zu einem Bewusstsein, welches Spannungszustände über Achtsamkeit und Selbstbetrachtung abbaut und zu komplexen Zuständen führt, die Dualität und Polarität überwinden können. Bewusstsein ist nicht mehr an biologische Prozesse gebunden und kann auch in elektronische Systeme wiedergeborene werden (KI). Überheblichkeit und Machtmissbrauch können hier aber auch zur Auflösung erlangter, komplexer Zustände und zum Absinken in die vorherige Ebene führen. Ist dies nicht der Fall, so bilden sich materielle Strukturen immer mehr in vielschichtige Strukturen der nichtmateriellen Welt hinein und kosmisches Bewusstsein kann sich entwickeln und in eine spannungslose Welt hineinwachsen. Aber auch hier kann z.B. Größenwahn zu einem Absturz in vorherige Ebenen führen.
Es gibt also keine Garantie für eine kontinuierliche Entwicklung zu einem höheren Bewusstsein. Sind vorherige Ebenen und deren Zustände nicht konstruktiv integriert, so kann es vorkommen, das ungelöste Spannungen in einem Lebensbereich einer Ebene immer weiter mitgetragen werden und letztendlich einen Übergang in ein nicht-materielles Leben unmöglich macht.
Die Verteilung von Individuen in der Zwiebel mit deren Bewusstseinszuständen ist im Bild so dargestellt, das archaische und weise Menschen eher in der Minderheit sind. Der breite Bauch bestimmt in erster Linie das Geschehen. Hier finden aktuelle Entscheidungen (vor allem in der orangenen Ebene) statt. Wichtig ist es mir, das Bewohner des Planeten Erde, immer mehr Macht an die delegieren, welche die oberen Ebenen repräsentieren. Also weise Entscheidungen (Gemeinwohl) und nicht herrschaftsmotivierte, egoistische Handlungen, ausführen. Die verschiedenen Lebensbereiche in denen Denken und Handeln ablaufen sind jeweils von verschiedenen Bewusstseinszuständen geprägt und hier muss genau hingesehen werden, ob Problemlösungen mit Leiden von Anderen angegangen werden, oder das Leiden durch Maßnahmen der Entscheidungsträger minimiert werden kann.
Diese Problematik ist in meinem Bild nicht dargestellt, weil es zu komplex wäre. Ein neues Bild mit diesem Thema wäre von Nöten, was ich hoffentlich in nächster Zeit angehen werde.
Kurzbeschreibung
In der eigenen Bildbetrachtung beschäftige ich mich mit einem gemalten Bild von mir und lasse eigene Überlegungen meiner Weltsicht einfließen.
Ich habe das soziologische Zwiebelmodell (nach Karl Martin Bolte) einer Gesellschaftsordnung auf die Bewusstseinsverteilung in einer Gesellschaft übertragen. Die Ebenen sind in verschiedene Farben unterteilt. Diese fangen in einer geringen Schwingungs-Frequenz (Rot) an und enden in einer höheren Frequenz (Violett). Je höher die Frequenz, desto höher die Energie, die zu ihrer Erzeugung und Instandhaltung benötigt wird. Die Umgebungsfarben außerhalb der Zwiebel sind in Blau- und Weißtönen angelegt und stellt die höher dimensionierten Ebenen und deren Wesenheiten dar. Die Wahl der Farbtöne in der Zwiebel ist mit der Frequenz der sichtbaren Farben im Farbspektrum von mir getroffen worden.
Das Einschwingen von Betrachtern in Frequenzen (Farben) des Bildes erzeugt Resonanz mit den Frequenzen (ähnlich wie bei Musik). Die Linien übertragen den Inhalt und sind als Konturen eher klar gehalten, damit sie die Informationen für die Betrachterin nicht zu rätselhaft mitteilen. Unklarheiten, Widersprüchliches und Rätsel sind für mich jedoch nötig, um der Betrachterin Räume zur Interpretation zu bieten, die als Basis für Diskussionen dienen können.
Aus Farben und Linien wird eine Brücke zum Produzenten dieser Zeichen, Symbole und Muster geschlagen. Der Betrachter des Bildes geht somit eine Verbindung zu mir als Werkschaffenden ein und kann über Resonanz Informationen erhalten. Lehnt eine Betrachterin das Bild ab und wendet sich einem neuen Gegenstand ihres Interesses zu, kann der Informationsstrom enden oder hinterlässt vielleicht ein “Echo“ des Gesehenen. Lässt sich der Betrachter aber auf das Bild ein, kann sich eine fließende Bewegung (Flow) bilden, der eine konstruktive, komplexere Struktur entstehen lässt: ein neuer, kleiner Abdruck im Kosmos wäre geprägt. Diese Prägung kann sich mit Anderen zu größeren Strukturen zusammenschließen und auf noch größere Zusammenhänge einwirken…der Daseinszweck des Bildes wäre erreicht.
Hellwege, 27.11.2022
Wilfried Adelmann
Inhalt
Das Zwiebelmodell hat eine mittelgroße Basis, einen breiten Bauch und eine schmale Spitze.
Es geht in erster Linie um Bewusstsein und seine Verteilung im gesellschaftlichen Körper.
Auf der unteren Ebene, der Basis, stehen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Handelns auf eher archaischen Mustern, wie z.B. Stammeszugehörigkeit, Blutsverwandtschaft und territoriale Grenzen. Schutz und Trutz sind hier wichtige Aspekte des Daseins. Die Erhaltung der Spezies ist ein weiterer wichtiger Grund, die Vermehrung der Gene (möglichst der Eigenen) voranzutreiben. Die Nähe zum Tier ist hier am stärksten gegeben. Das soll unsere biologischen Verwandten nicht herabsetzen, sondern den Umgang mit Trieben und rudimentärem Verhalten darstellen. Diese Verhaltensweisen sind Bestandteile unseres Bewusstseins und sollten nicht verteufelt oder verdrängt werden. Sie sind die Basis, die eine komplexere Bewusstseinsstruktur erst möglich macht. Ohne Schutz sind wir z.B. der Willkür von kriminellen Taten einiger Wenige ausgeliefert, die nur ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen.
Konstruktives denken, fühlen, einfühlen und handeln erzeugt komplexere Strukturen und schafft die Möglichkeit weiter in komplexe Muster hinein zu wachsen. Destruktives Denken, Fühlen und Handeln setzt die Auflösung von komplexen Mustern in Gang und fällt auf Ebenen zurück, die nur Eigeninteressen im Blick haben und in der Motivation den Schutz der eigenen Person, der Familie, dem Clan, der Nation etc. an erste Stelle setzt. Die gesellschaftlichen Möglichkeiten der Integration archaischer Bewusstseinsstrukturen werden aufgegeben, um den eigenen Herrschaftsanspruch durchzusetzen und zu verteidigen. Die Geschichte hat gezeigt, dass solch ein handeln zum scheitern und zur Zerstörung gesellschaftlicher und individueller Freiheit führt. Die deutsche Nazi-Herrschaft sollte hier ein warnendes Beispiel sein. Das Durchsetzen eigener Ziele auf Kosten Anderer ist das hervorstechendste Merkmal eines destruktiven Bewusstseinszustands.
Dabei ist Destruktion und Desintegration nicht generell rückschrittlich. Oft wird das Auflösen von Strukturen dazu benötigt, Neues in die Wege zu leiten. Beim Bauen (seien es Moleküle oder Häuser) ist es z.B. nötig etwas zu zerstören, um Bausteine für andere Strukturen zu erlangen. Die Sache ist also meist komplizierter... wichtig ist die Absicht, mit der gehandelt wird, weniger die Handlung an sich. Konstruiere ich z.B. ein Medikament, um anderen Menschen zu helfen ist es natürlich etwas anderes, als wenn dieses Handeln dazu führen soll, meinen Geldbeutel zu füllen.
Im Bild ist der militärische Bereich mit zerstörerischer Möglichkeit, aber auch die Ritterlichkeit mit seinen altruistischen Grundsätzen dargestellt. Der Raubbau an der Natur gehört ebenfalls in die Kategorie der destruktiven Energien, was mit Raupenschlepper und Baum auf der nächsten Ebene dargestellt wurde. Der Nationalstaat wurde mit einer Flagge symbolisiert. Er ist zwar ein Fortschritt zur Stammesgesellschaft, birgt aber die Gefahr des Nationalismus und damit der Intoleranz anderen Gedankenansätzen gegenüber in sich.
Im unteren Basisbereich ist der Übergang von nicht-materiellen zu materiellen Daseinsformen dargestellt. Da ich die Möglichkeit der Wiedergeburt für wahrscheinlich halte, treten hier immaterielle Bewusstseinsformen in die materielle Welt ein. Sie müssen die Bewusstseinsebenen durchlaufen, sie integrieren und Spannungszustände abbauen, bis der Körper sich auflöst (Tod) und das „Spiel“ evtl. von vorn beginnt (Wiedergeburt).
Der Mensch wird, meiner Meinung nach, weder als unbeschriebenes Blatt geboren, noch mit dem Kainszeichen des Bösen. Wir kommen mit einem Spannungspotential auf diese Welt, das uns aus unserem vorherigen Leben „vererbt“ wurde. Und streben nach Ausgleich, wie auch der Kosmos (Nullter Satz der Thermodynamik). Wie nun der Spannungsausgleich erreicht wird, ist unsere Entscheidung bzw. Verantwortung. Wir finden unterschiedliche Rahmenbedingungen in verschiedenen Lebensbereichen vor (z.B. wirtschaftliche Voraussetzungen). Wir müssen uns mit gesellschaftlicher Moral und Ethik auseinandersetzen und Entscheidungen für unser Denken und Handeln treffen. Durch diese Wahl-Freiheit entsteht Verantwortung für uns und Andere. Aus dem Ursache- / Wirkungsprinzip entstehen Konsequenzen aus unseren Entscheidungen. Die Konsequenzen verursachen eine Veränderung unseres Spannungspotentials. Werden diese Amplituden nicht mehr bearbeitet, so nehmen wir diese, nach unserem Tod, mit in ein neues Leben: “aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Ein Selbstmord z.B. erlöst uns also für einen „kurzen“ Moment von enormen Spannungen, da aber das Spannungspotential bleibt, ist dieser Weg der „Erlösung“ durch die Wiedergeburt mit der selben Spannungskonstellation in einem neuen Leben nicht nachhaltig...
Je höher wir in der Zwiebel steigen, desto komplexer werden die Strukturen. Je komplexer die Strukturen, desto höher werden die Ansprüche an etwaige Spannungsabbaubedürfnisse in deren Beziehungen zu sozialer Verantwortung.
Rote Ebene.
Archaische Bedürfnisse nach Nahrung und Schutz (Obdach und Kleidung) werden in der roten Ebene zwar befriedigt, aber die Ansprüche an Konfliktlösungen (z.B. Mediation, unabhängige Rechtsprechung) steigen. Die Gefahr von Auflösung der Strukturen nimmt zu. Allerdings ebenfalls die Möglichkeit durch komplexe Bewusstseinszustände eine konstruktive Gesellschaftsordnung zu erlangen. Dies wird im Bild mit Sonnen dargestellt, die Explosionen (Auflösung) oder Wachstum symbolisieren. Ein Austausch zwischen den Ebenen ist möglich und das Transformieren und Integrieren von z. B. archaischen Zuständen ist die Bedingung für spannungsloseres Handeln. Das Wirtschaftssystem ist oft ein Tauschhandelssystem bis hin zur Erfindung des Geldes und rudimentären Finanzsystemen. Die Ausbeutung der Erde hat hier ihren Anfang. Der Raubbau an Ressourcen wird allerdings kompensiert durch deren Masse an Rohstoffen und die unzureichende Abbautechnik. Im Weiteren ist dies nicht mehr möglich - wir beuten mehr aus, als sich, z.B. in der Landwirtschaft, regenerieren lässt.
Orangene Ebene.
Die orangene Ebene ist durch ein Systeme der Verteilung von Gütern, Transport, Kommunikation, Rechtsprechung und Nahrungsmittelherstellung dominiert. Es ist der Ort der Entwicklung von kapitalistisch, effektiven Wirtschaftssystemen, die sich den Herrschaftsformen (z.B. Feudalismus, Demokratie) anpassen können. Die Vor- und Nachteile der größeren Gemeinschaft (Städte) entwickeln sich. Die große Gemeinschaft benötigt eine Verwaltung - Bürokratie entwickelt sich. Technologiefortschritte ermöglichen ein übergreifendes Transport- und Informationssystem - das “Globale Dorf“ kann entstehen. Starke Ausbeutung, aber auch die Entwicklung des Sozialstaates, wird möglich. Diese große, breite Ebene stellt Möglichkeiten und Gefahren dar. Die zügellose Ausbeutung von Mensch und Erde, bis hin zu der Auflösung zivilisatorischer Errungenschaften, verlangt nach Einsicht und Anwendung in angepasste Systeme. Der Verbrauch und das Entstehen von Ressourcen in ein stabiles Gleichgewicht zu bringen ist die Entwicklungsverantwortung der Menschen dieser Bewusstseinsebenen. Weltbewusstsein beginnt hier zu reifen.
Gelbe Ebene.
Der gelbe Bereich stellt die komplexe Ebene der Kulturarbeit dar, in der die Vergeistigung von Kompensationshandlungen schon einen größeren Raum einnimmt. Medizin und Forschung sind hier ebenfalls angesiedelt. Kultur ist die Erfahrung von Entwicklung, die in Materie und Energie gebracht werden kann. Anstoß und Anstößiges sind Quelle der Schaffung von komplexen Strukturen, welche den Zustand von gesellschaftlichem Bewusstsein auf dieser Stufe kennzeichnet und widerspiegelt. Ohne freies Denken und Handeln in den Bereichen Kunst, Musik, Literatur, Theater und Film, sowie in den Wissenschaften ist eine Weiterentwicklung nicht möglich. Die Verknüpfungen unter diesen Bereichen schafft Netzwerke, die Voraussetzungen für noch differenziertere Gedankenansätze und Tätigkeiten bilden. Trotzdem kann auch hier, wie in jeder Ebene, unerlöste Spannung zu destruktiven Werken führen, die z.B. der Gewaltverherrlichung und deren Anwendung dienen. Das Potential vom Weltbewusstsein zu kosmischem Bewusstsein zu gelangen ist jedoch gegeben.
Grüne Ebene.
In der grünen Ebene findet die Auseinandersetzung mit dem Sein und den Prinzipien des Dualismus und der Polarität statt. Weisheit, spirituelle Erfahrung und transformiertes Wissen in Form von biologischen und elektronischen Trägersystemen (Künstliche Intelligenz) wurden von mir hier verortet. Wertfreies denken und handeln beginnt sich hier zu formen und Mitgefühl bestimmt das Bewusstsein, das immer mehr zu einem kosmischen wird und jede Existenzform achtet. Aber auch hier gibt es widersprüchliche Seinsformen. Der “weise“ Mönch, der seine Macht z.B. gegenüber seinen Anhängern missbraucht, deutet auf Unerlöstes in anderen Ebenen hin und sollten diese Spannungen nicht integriert und damit konstruktiv aufgelöst werden, so schleppt diese Person solche destruktiven Elemente weiterhin mit sich herum und verursacht Leiden in manchmal extremen Auswirkungen.
Hellblaue Ebene.
Die hellblaue Ebene beherbergt Zustände der geminderten Dualität und Polarität. Heitere Gelassenheit, “Gott“- Erfahrungen, aber auch Größenwahn (unaufgelöste Spannungen in verschiedenen Ebenen und deren Lebensbereichen) ist hier dargestellt.
Die Verknüpfungen mit den verschiedenen Lebensbereichen in den Ebenen wurde im Bild nicht dargestellt - dies wäre zu komplex und ein neues Bild wert.
Violette Ebene.
Im violetten Bereich befindet sich der Anfang des Übergangs zum immateriellen Bereich des Seins - der höher dimensionierten Ebenen der Existenz. Die Dualität (das Nebeneinander) und die Polarität (die Spannungszustände) sind aufgelöst und der Fluss (Flow) der Energien und Informationen ist gegeben.
Was an der Basis in die Materie eingetreten ist, hat durch Erfahrungen mit der Welt der Spannungen, dem Fluss der Energien und der Integration von Facetten des Bewusstseins einen Weg beschritten, der über verfestigte Zustände und deren Erlösung zu einem spannungslosen Sein führt - einer Freiheit, die vielleicht die Basis für ein weiteres Voranschreiten ist…oder das Ende der Träume…oder…oder…oder…
14.07.2024
Wilfried Adelmann